Testbericht Aqua Marina Rapid

2018 wagte ich mich mit dem SUP erstmals in Wildwasser. Nach einigen Touren und Erfahrungen möchte ich euch diesen Testbericht zum Aqua Marina Rapid nicht vorenthalten. Doch erstmal eins vorab: Was bedeutet es mit dem SUP ins Wildwasser zu gehen und warum habe ich mich für das Aqua Marina Rapid entschieden.

Mit dem SUP ins Wildwasser

Aqua Marina Rapid Zugegeben, mir hat das SUPen, das Stand Up Paddling, nie Probleme bereitet. Hier profitiere ich von meiner jahrzehntelangen Surferfahrung in Bezug auf Balance und Koordination. Sieht man sich aber so manchen Anfänger auf so einem Brett an, gewinnt man schnell einen Eindruck, wie schwer es für einen Ungeübten sein kann. Warum also das Ganze nochmals verkomplizieren und damit ins Wildwasser gehen? Ganz einfach: Weil es richtig Laune macht! Sich mit dem SUP ins Wildwasser zu wagen, ist Adrenalin pur und fordert einem alles ab. Man muss all seine Balance, seine Koordination, seine Kraft und seine Reflexe einsetzen, um schnell und heil durch Stromschnellen navigieren zu können. Kurz gesagt, es ist der absolute Wahnsinn aber ganz sicher nur Personen zu empfehlen, die wissen was sie auf dem SUP können.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass das Wildwasser-SUPen eine noch kleine aber mittlerweile hoch spezialisierte Szene darstellt. Um im Wildwasser sicher unterwegs sein zu können, braucht man eine Vielzahl an Sicherheitsausrüstung und Erfahrung in Bezug auf Strömungslehre und Verhalten bei Unfällen. Darauf werde ich in einem separaten Artikel aber noch ausführlich eingehen.

Eine besondere Rolle kommt dem Board beim Wildwasser SUP zu. Wer glaubt, man könne mit seinem normalen 08/15-Board ins Wildwasser gehen, wird schnell seine faustdicke Überraschung erleben. Denn Wildwasser-SUPs müssen folgende Eigenschaften in sich vereinen können:

  • Sie müssen besonders robust und widerstandsfähig sein, um auch harten Grund- und Steinkontakt überstehen zu können
  • Geringer Tiefgang ermöglicht es auch, flache Passagen oder hochragende Steine zu passieren
  • zahlreiche Griffe und Schlaufen sind erforderlich, um ein schnelles Wiederaufsteigen nach einem Sturz zu ermöglichen
  • eine ausgeprägte Scoop-Rocker-Linie (grob gesagt, die Aufbiegung der Schnauze) erleichtert das Passieren von Weißwasser
  • eine gute Breite erleichtert die Stabilität und eine kurze Länge eine hohe Reaktivität

Nachdem ich mich intensiv theoretisch mit dem SUPen im Wildwasser auseinandergesetzt hatte, machte ich mich auf die Suche nach dem richtigen Brett.

Das Aqua Marina Rapid

Nach langer Suche entschied ich mich für das Aqua Marina Rapid. Doch warum? Kurz gesagt, weil ich meinte, dass das Board alle der oben genannten Anforderungen erfüllen könne und dies zu einem unschlagbaren Preis. SUP-Puristen werden nun vermutlich verächtlich schnauben, ist Aqua Marina tatsächlich eher als Billig-Produzent bekannt, dessen Boards es oft an Stabilität und Steifigkeit mangelte. Doch gebe ich grundsätzlich nicht viel auf festgefahrene Meinungen und bei einem Preis von 550€, der knapp 1000€ unter den Marktführern im Bereich Wildwasser SUP liegt, kann man ja kaum viel falsch machen.

Überraschenderweise sind die meisten Boards im Bereich Wildwasser auch Inflatables, also aufblasbar. Wer meint, dass dies den hohen Anforderungen in Bezug auf Stabilität und Festigkeit im Wildwasser nicht gerecht werden kann, irrt.

Aqua Marina Rapid

Kurze Zeit später war ich stolzer Besitzer eines Aqua Marina Rapids und probierte es über eine Saison lang in unterschiedlich anspruchsvollen Wildwasser-Situationen aber auch im Flachwasser aus. All das, fließt in meinen ersten Wildwasser-SUP-Testbericht ein.

Daten und Fakten

Natürlich beginnen wir auch beim Aqua Marina Rapid mit den nackten Daten und Fakten zum Board.

  • Länge 289 cm (9’6″ Fuß: daher auch häufig die Bezeichnung Aqua Marina Rapid 9.6)
  • Breite 84 cm
  • Dicke 15 cm
  • maximaler Druck: 18 psi
  • Gewicht: 10 Kilo
  • Fünf Trageschlaufen sowie zwei verstärkte D-Ringe
  • Kickpad am Heck
  • fünf fixe Finnen im Unterwasserschiff

Auffällig ist der mit 18 psi relativ hohe Maximaldruck. Das verspricht schon auf dem Papier eine sehr hohe Steifigkeit und somit auch Manövrierbarkeit. Ebenfalls klasse ist die hohe Anzahl an Trageschlaufen sowie die Verteilung von Länge und Breite.

An Land

Das Aqua Marina Rapid macht an Land einen hochwertigen Eindruck. Selbiges gilt leider nicht für die mitgelieferte Pumpe. Der Schlauch ist aus einem sehr weichen Plastik und Knickstellen sind so vorprogrammiert. Zudem handelt es sich bei der Pumpe um eine einfache Einwegpumpe, also kein Doppelhub, was das Aufpumpen verlängert. Auch die Standfestigkeit der Pumpe ist nicht optimal. Ans Ziel, sprich die 18 psi in das Baord zu pumpen, kommt man aber trotzdem. Auch der Rucksack des Aqua Marina Rapids ist eher von einfacher Art und Weise.Da ich aber bei diesem Preis lieber Abstriche beim Zubehör als beim Board in Kauf nehme, kann ich dies verschmerzen.

Aqua Marina RapidSchon an Land wirkt das Board im aufgepumpten Zustand sehr steif und hochwertig. Dennoch liegt es leicht in der Hand und die verstärkten Trageschlaufen sind meiner Meinung nach konkurrenzlos.

Die fünf Finnen im Heck aus flexiblem Gummi wirken flach im Profil, genau wie man es bei einem Wildwasser-SUP erwartet. Das flexible Gummi verbiegt sich leicht bei Lagerung, Sonneneinstrahlung bringt die Finnen aber schnell in ihre ursprüngliche Form zurück.

Pfiffig: Aqua Marina hat im Board eine Kamerahalterung integriert. Seine GoPro kann man so bedenkenlos befestigen und kann somit auch für fette Actionbilder sorgen.

Im Wasser

Doch nun genug der Trockenübungen, ab ins Wasser. Ich habe das Aqua Marina Rapid in unterschiedlichen Bedingungen getestet: Flachwasser und verschiedene Wildwasser-Abschnitte der Klasse I bis III auf der oberen und unteren Isar sowie der Saalach in Österreich. Im Folgenden gehe ich genauer auf folgende Punkte ein:

  • Manövrierbarkeit und Reaktionsfreudigkeit
  • Balance
  • Tiefgang
  • Stabilität
  • Flachwassereignung

Manövrierbarkeit und Reationsfreudigkeit

Die Manövrierbarkeit bei einem Wildwasser-SUP ist mit der wichtigste Faktor. Das Board muss schnell auf Paddel- und Steuerschläge reagieren, um so gezielt durch Stromschnellen steuern zu können. Auf der anderen Seite ist es aber wichtig, dass sich das Brett nicht zu sehr von Strömungen beeinflussen lässt und es dem Steuermann somit unnötig schwer macht.

Aqua Marina Rapid

In meinen Augen hat Aqua Marina hier einen guten Kompromiss gefunden. Die fünf Finnen sorgen für eine klare Linienführung im Wasser, das Board liegt satt auf der Wasseroberfläche auf. Da mehr Finnen im Einsatz sind, als bei vergleichbaren Wildwasserboards, ist die Manövrierbarkeit nicht absolute Spitzenklasse, aber dennoch gut. Etwas Kraft sollte man aber mitbringen. Die hohe Steifigkeit des Boards erleichtert zudem die Manövrierbarkeit.

Der Rocker, die Aufbiegung der Nase, erleichtert die Manövrierbarkeit, da so das Board über Stromschnellen und Wuchtwasser hinweggleitet, anstatt in dieses einzutauchen. Meinem Empfinden nach, könnte der Rocker sogar noch etwas ausgeprägter sein.

Balance

Mit einer Breite von 84 Zentimetern ist das Aqua Marina Rapid schmaler als vergleichbare Wildwasser-Boards der Konkurrenz. Trotzdem hat man auf dem Rapid einen stabilen und sicheren Stand. Das große EVA-Deck ergibt einen großen Bewegungsfreiraum auf dem Brett, dem man im Wildwasser auch gebrauchen kann. Selbst in extremer Vor- oder Rücklage lässt sich das Board noch gut ausbalancieren und steuern. Lediglich das Kickpad erscheint mir eher als Marketinggag als als sinnvolle Ergänzung, liegt es doch extrem weit am Heck.

Aqua Marina Rapid

Tiefgang

Mit einem Volumen von annähernd 300 Litern und einer Tragefähigkeit von über 130 Litern, sind vor allem die Finnen für den Tiefgang des Boards verantwortlich. Dieser liegt bis zur Finnenspitze bei circa 12 Zentimetern. Dies ist deutlich flacher, als Tourenboards für den Flachwassereinsatz und erhöht somit den Spielraum im Wildwasser. Doch habe ich im Wildwasser die Erfahrung gemacht, dass 12 Zentimeter oft unterschritten werden. Andere Firmen haben sich darauf eingestellt und flexible Finnen entwickelt, die bei Grundkontakt nach hinten wegklappen. Dies reduziert den Tiefgang auf beinahe Null.

Mit den feststehenden Finnen des Aqua Marina Rapids ist dies leider nicht möglich. Zwar lassen sich die meisten flachen Passagen auch mit dem Rapid gut passieren, Grundkontakt und damit verbundenes abruptes Bremsen ist aber nicht ausgeschlossen.

Stabilität

Aqua Marina RapidSchon an Land vermittelte das Rapid einen stabilen Eindruck. Das Board ist nach dem Aufpumpen sehr steif und liegt stabil im Wasser. Unabdingbar ist aber auch die Stich- und Reißfestigkeit bei unvermeidbarem Grundkontakt. Diesbezüglich habe ich das Aqua Marina Rapid – eher unfreiwillig – nicht geschont. Selbst harter und längerer Grundkontakt auch über spitzere Steine übersteht das Rapid problemslos. Natürlich wird auch dieses Board seine natürlichen Grenzen haben aber nach über einer Saison im harten Einsatz verzeichnet das Board noch nicht einmal das kleinste Loch. Genau so Heavy-Duty muss ein Wildwasser-SUP sein.

Flachwassereignung

Mal im Wildwasser, mal auf einem See und vielleicht sogar mal in einer kleinen Welle. Kaum ein SUPer hat Lust, für jeden Einsatzbereich ein eigenes Board zu beschaffen. Daher habe ich das Rapid auch abseits des Wildwassers auf seine Flachwassereignung hin getestet. Das Board liegt ruhig im Wasser und zieht aufgrund der fünf Finnen lange gerade aus. Dabei entwickelt das Aqua Marina Rapid auch eine gute Geschwindigkeit, die aber natürlich nicht mit spezialisierten Tourenboards mithalten kann. Auch für Anfänger bietet das Rapid ein hohes Maß an Stabilität und Kippsicherheit, so dass das Board auch als Familienbrett fürs Flachwasser taugt.

Mein Fazit zum Aqua Marina Rapid

Mich hat das Rapid alles in allem voll überzeugt. Das Board ist super stabil und hochwertig verarbeitet. Im Wildwasser macht das Brett richtig Spaß und man kann hier seine SUP-Grenzen weit verschieben. Das Vorurteil, Aqua Marina Boards seien von minderwertiger Qualität, hat sich bei Weitem nicht bestätigt. Ich bin von dem Rapid richtig begeistert. Auch im Flachwasser muss sich das Brett nicht verstecken und ist somit ein idealer Kompromiss für alle, die sich keine weiteren Boards leisten können und wollen.   Apropo leisten: Gemessen an der Leistung und Qualität des Aqua Marina Rapids, sind die 550€ ein unschlagbarer Preis. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist Weltklasse und sucht für ein Wildwasser-Board Seinesgleichen. In Relation zu diesem sensationellen Preis-Leistungs-Verhältnis fallen auch die Kritikpunkte, wie die verbesserungswürdige Pumpe, der einfache Tragesack und der unvermeidbare Grundkontakt aufgrund der fixen Finnen nicht mehr so schwer ins Gewicht.

Für alle, die ins Wildwasser-SUPen einsteigen wollen und sich nicht ausschließlich darauf spezialisieren können oder wollen, gibt es von mir eine klare Kaufempfehlung für das Aqua Marina Rapid. Alle Informationen zum Brett gibt es auch auf der Hersteller-Homepage.