Testbericht Suunto Spartan Ultra HR

Zu meinem Geburtstag habe ich mir die Suunto Spartan Ultra HR gewünscht. Nach über einem halben Jahr im intensiven Dauereinsatz, wird es Zeit für einen ausführlichen Testbericht.

Um die Stärken und Schwächen der Suunto Spartan Ultra HR im Detail darstellen zu können, werde ich den Testbericht in folgende Kategorien einteilen:

  • Daten, Fakten
  • Optik und Haptik
  • Display und Bedienbarkeit
  • Höhenmessung
  • Positionsbestimmung und Navigation
  • Herzfrequenz-Messung
  • Sportmodi
  • Akku-Laufzeit
  • Konnektivität

Die Teilergebnisse der einzelnen Kategorien gebe ich gleich bei den Überschriften mit Sternen an. Maximal können 5 “surfandclimb”-grüne Sterne erreicht werden.

Daten, Fakten

Die Suunto Spartan Ultra HR soll laut Suunto den Standard im Bereich der Outdoor- und Sportuhren neu definieren. Dafür haben sie die Uhr mit haufenweise Technik vollgepackt, die ich in voller Länge hier gar nicht aufzählen kann. Zumindest die wichtigsten Fakten will ich aber nicht unerwähnt lassen:

Display Saphirglas; Farbdisplay
Akku bis zu 20 Tage im Uhrenmodus, im Sportmodus bis zu 140 Stunden
Kompass neigbarer Kompass; auf 1° genau
Satellit GPS und GLONASS
Routen Import- und Exportfunktion, Brotkrümel-Navigation
Höhenmessung Barometer und GPS
weitere Sensoren Temperatur, Schrittzähler
Sportmodi über 80 vorkonfigurierte Sportmodi
Wasserdichtigkeit 100 Meter

Mit all der Technik und der Auslegung als Uhr für Extremsportler, ergibt sich nicht gerade eine filigrane Uhr. Das Ziffernblatt, oder besser gesagt die Anzeige, ist fünf auf fünf Zentimeter groß und beinahe zwei Zentimeter dick. Das ergibt ein Gesamtgewicht von 77 Gramm ohne Herzfrequenz-Gurt.

Der ursprüngliche UVP der Uhr liegt je nach Farbe zwischen 700 und 800 Euro, wird aber mittlerweile beinahe durchgehend für 300 bis 350 Euro angeboten.

Optik und Haptik  ★★★★

Wie gerade schon erwähnt, ist die Suunto Spartan Ultra HR weder filigran noch unauffällig. Mit fünf auf fünf Zentimetern Größe und fast zwei Zentimetern Dicke, trägt sich die Uhr markant und auffällig am Handgelenk. Für den Business-Alltag oder zarte Frauenarme also nicht uneingeschränkt zu empfehlen.

Dennoch gefällt mir die Uhr ausgesprochen gut. Das Saphirdisplay harmoniert ausgesprochen gut mit der modischen Lünette. Da ich die Uhr in schwarz mit silberner Lünette besitze, ergibt sich hier ein angenehmer Kontrast. Das wuchtige Silikonarmband ergänzt den massiven Eindruck gekonnt und so ist schon optisch die Zielrichtung der Suunto Spartan Ultra HR klar: Höher, schneller, weiter!

Haptisch erweckt die Uhr einen qualtitaiv hochwertigen Eindruck. Das Saphirglas-Display fühlt sich beinahe schon samtig an und das Silikon trägt sich angenehm auf der Haut, selbst bei starkem Schwitzen. Demgegenüber stellt die Uhr für langärmlige Kleidung jedoch eine gewisse Herausforderung dar. Zum einen passt so ein massiver Klumpen nicht unter jeden Ärmel und zum anderen lassen sich alle Stoffarten nur schwer über das Silikon ziehen.

Display und Bedienbarkeit ★★★★

Suunto Spartan Ultra HRDie Suunto Spartan Ultra HR ist mit Saphirglas ausgestattet. Diese Glasart ist deutlich härter, dicker und vor allem kratzfester als normales Mineralglas. Somit ist derartiges Glas für eine Outdooruhr beinahe unverzichtbar.

Dies kann ich nach über einem halben Jahr nur bestätigen. Auch nach unzähligen Kletter- oder Wildwassertouren und dementsprechend auch häufigem Felskontakt, schaut das Display aus wie neu. Kratzer oder Ähnliches sind nicht zu sehen.

Das Display ist jederzeit bei allen Lichtverhältnissen sehr gut ablesbar. Selbst direkter Sonnenschein schränkt die Lesbarkeit des Display nicht ein, da die Helligkeit automatisch geregelt wird. Die Kennzahlen in den Sportmodi sind groß und übersichtlich gestaltet, so dass man diese auch während dem Sport schnell ablesen kann.

Die Bedienung der Uhr erfolgt sowohl über Touchscreen als auch über die drei Knöpfe der Uhr. Diese ist leicht verständlich und erfolgt so schon nach kurzer Zeit intuitiv und schnell. Das große farbige Display mit verständlichen Symbolen und Beschriftungen erleichtert die Bedienung zusätzlich.

Als I-Tüpfelchen lässt sich die Uhr umfangreich personalisieren. Neben unterschiedlichen Zifferblättern lassen sich auch die Sportmodi (siehe später) beliebig anpassen.

Höhenmessung ★★★☆☆

Mit der Suunto Spartan Ultra HR bin ich als Münchner und begnadeter Bergsteiger natürlich auch viel in den Bergen unterwegs. Die Höhenmessung ist hierfür nicht gerade unerheblich. Laut Suunto verfügt die Uhr sowohl über eine barometrische Höhenmessung als auch eine Messung über GPS. Durch eine Kombination beider Daten sollen laut Suunto so besonders genaue Messwerte entstehen.

Leider hat sich dies im Praxistest nicht bestätigt. Teilweise konnte ich Unterschiede zu Referenzwerten von bis zu 50 und in Extremfällen sogar 75 Höhenmetern feststellen. Da sich diese Messunterschiede durch die gesamte Aufzeichnung ziehen, sind zurückgelegte Höhenmeter realistisch, die absolute Höhenanzeige ist jedoch unzuverlässig. Dies ist für eine derart hochpreisige Uhr sehr ärgerlich.

Suunto Spartan Ultra HR
Höhenprofil einer Tour im Movescount-Konto

Update 12/18: Nach mehreren Updates hat sich die Höhenmessung drastisch verbessert. An allen Referenzpunkten, an denen ich bisher die bereits erwähnten Unterschiede feststellen musste, haben sich die Unterschiede auf ein vernachlässigbares Niveau (1-3 Meter) reduziert. Dadurch entspricht die Höhenmessung nun auch meinen Erwartungen.

Positionsbestimmung und Navigation ★★★★★

Suunto Spartan Ultra HRDie Suunto Spartan Ultra HR bestimmt die Position sowohl über das amerikanische GPS als auch über das russische GLONASS. Durch die Verwendung beider Systeme entstehen zuverlässige Positionsbestimmungen. Durch die Möglichkeit, die Genauigkeit der Positionsbestimmung einstellen zu können, kann diese an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden.

Persönlich verwende ich die Uhr ausschließlich in der höchsten Auflösung. Diese funktioniert jederzeit zuverlässig und ohne Aussetzer. Die zurückgelegte Strecke wird als Brotkrümmel auf dem Display angezeigt, so dass man im Fall des Falles auch darüber wieder zum Ausgangspunkt zurückfindet.

Weiterhin kann man die Uhr als Art Kompass für Point of Interests (POIs) verwenden. Auch diese Navigation erfolgt jederzeit problemlos. Diese POIs kann man selber definieren (Parkplatz, etc.) oder sich Sehenswürdigkeiten auf die Suunto Spartan Ultra HR importieren.

Durch die Möglichkeit, Routen auf die Uhr zu importieren, kann man den vorgegebenen Routen problemlos folgen. Dies ist vor allem in offenem und unmarkierten Gelände hilfreich. Auch hier erfolgt die Navigation und Positionsbestimmung jederzeit zuverlässig.

Suunto Spartan Ultra HR
Streckenprofil einer Tour im Movescount-Konto

Herzfrequenz-Messung ★★★★

Ich habe mich absichtlich für die Suunto Spartan Ultra HR entschieden, da ich keine Herzfrequenz-Messung am Handgelenk wollte. Zum einen ist diese tendenziell ungenauer und die Uhr muss höher und enger am Handgelenk getragen werden, als eine “normale” Uhr. Daher gehe ich an dieser Stelle nur auf die Herzfrequenz-Messung mittels des Brustgurtes ein.

Der im Lieferumfang enthaltene Brustgurt liegt angenehm auf der Haut und lässt sich einfach anlegen. Die Verbindung mit der Suunto Spartan Ultra HR funktioniert schnell und einfach, so dass man sofort mit dem Sport loslegen kann.

Großes Plus: Bei Sportarten, in denen keine permanente Verbindung zwischen Sensor und Uhr aufrecht erhalten werden kann (Schwimmen, Surfen, etc.), verfügt der Sensor über einen eigenen Datenspeicher. So werden die Herzfrequenzen weiter aufgezeichnet und im Anschluss auf die Uhr übertragen.

In einem Vergleich mit einer Polar-Uhr mit Brustgurt konnten keine Messunterschiede festgestellt werden. Die Ergebnisse erscheinen dadurch plausibel und zuverlässig.

Nach über einem halben Jahr im Dauertest und circa 6-7 Verwendungen pro Woche, verliert der Herzsensor leider etwas an Form. Der Gummizug verliert an Spannkraft, so dass der Gurt alle paar Einheiten nachjustiert werden muss. Zudem fängt der Gummizug an sich zu wellen, was das Tragen etwas unkomfortabler macht. Da der Gurt zudem Gerüche sehr schnell annimmt, kommt man um ein häufiges Waschen kaum herum, was den Alterungsprozess weiter beschleunigt.

Sportmodi ★★★★★

Die Suunto Spartan Ultra HR kommt mit 80 vorkonfigurierten Sportmodi im Paket. Die Sportmodi umfassen Klassiker wie Laufen, Wandern, Bergsteigen, Schwimmen oder Radfahren aber auch Exotiker wie Jagen oder Pilates.

Für jeden Sportmodus werden die vorhandenen Daten (Herzfrequenz, Höhe, Geschwindigkeit, Temperatur, Strecke, etc.) unterschiedlich aufbereitet und dargestellt. So stehen beim Wandern oder Bergsteigen die zurückgelegten Höhenmeter und die Strecke im Vordergrund, beim Radfahren die Geschwindigkeit. Bei jeder Sportart erfolgt eine ausführliche Aufzeichnung aller Daten, so dass sich diese im Nachgang in der Suunto-Community (siehe Konnektivität) auswerten und nachverfolgen lassen.

Zudem hat man die Möglichkeit, die vorkonfigurierten Sportmodi anzupassen oder gänzlich neue Modi zu erstellen. So lässt sich die Uhr weiter auf die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Ich verwende 8 Sportmodi der Uhr regelmäßig (Crossfit, Kraftsport, Mountainbike, Wandern, Bergsteigen, SUP, Windsurfen, Laufen) und weitere 5 gelegentlich. Meiner Meinung nach stehen die jeweils relevanten Daten im Vordergrund, so dass die vorgegebenen Sportmodi sehr gut verwendet werden können. Für jeden Sportmodus stehen mehrere Ansichten zur verfügung, so dass hier den eigenen Präferenzen Rechnung getragen werden kann.

Sportmodi anzupassen, ist nur über einen Rechner und eine Synchronisation möglich, geht aber dennoch leicht verständlich von der Hand.

Akku-Laufzeit ★★★★★

Suunto wirbt für die Suunto Spartan Ultra HR mit einer besonders langen Akku-Laufzeit. Die reale Laufzeit ist jedoch stark von der Verwendung und den Einstellungen abhängig.

Im normalen “Uhrenmodus” hält der Akku der Batterie knappe 3 Wochen. Hat man die Uhr permanent mit dem Handy verbunden, reduziert sich die Lebensdauer der Batterie auf knapp zwei Wochen.

Die Akku-Laufzeit im Sportmodus ist abhängig von den GPS-Einstellungen, den verbundenen Sensoren und der Bildschirmeinstellungen. Bei bester GPS-Einstellung, permanent angeschaltetem Display und verbundenen Herzsensor hält der Akku im Praxistest zirka 15 Stunden.

Das Gute daran: Alleine durch eine automatische Bildschirmabschaltung nach zehn Sekunden lässt sich die Akku-Laufzeit drastisch verlängern, ohne die Datenqualität zu beeindrucken. So verwende ich die Bildschirmabschaltung bei jedem Sportmodus.

Im Praxsiseinsatz mit zirka 14 Stunden Sport pro Woche und normalem Tragen im Alltag muss ich die Uhr nur alle 8-9 Tage aufladen. Dies ist in meinen Augen tatsächlich bemerkenswert.

Konnektivität ★★★☆☆

Die Suunto Spartan Ultra kann über Bluetooth mit einem Smartphone oder per USB mit einem Rechner verbunden werden. Darüber lassen sich Aufzeichnungen synchronisieren, Updates installieren und Einstellungen an der Uhr vornehmen.

Für eine genaue Analyse der Trainingsessions steht die sogenannte Movescount-Anwendung zur Verfügung. Die suunto-eigene Anwendung ermöglicht die Routenplanung, eine persönliche Übersicht und die Konfiguration der Uhr.

Leider sind die App und die Anwendung am Rechner im Leistungsumfang sehr unterschiedlich, so dass meiner Meinung nach kein Mehrwert aus der Handy-Applikation gezogen werden kann.

Demgegenüber gefällt mir die Online-Anwendung und die Darstellung ausgesprochen gut, auch wenn die Menüführung noch weiter verbessert werden könnte.

Suunto Spartan Ultra HR
Gesamtübersicht im Movescount-Konto

Besonders ärgerlich: Im Rahmen des Tests wurde eine neue Applikation vorgestellt: die Suunto App. Auch wenn nicht offiziell bestätigt, drängt sich der Eindruck auf, dass Movescount langfristig abgelöst werden soll. Da momentan keine Synchronisations- oder Übertragungsmöglichkeit zwischen beiden Plattformen gibt, würden bisherige Routen und Sessions verloren gehen. Dies finde ich persönlich sehr ärgerlich und für die heutige Zeit auch nicht angebracht.

Mein Fazit zur Suunto Spartan Ultra HR

Die Suunto Spartan Ultra HR hat mich fast vollumfänglich überzeugt. Funktionsumfang, Akkulaufzeit und die Stabilität der Uhr sprechen für sich. Durch kontinuierliche Updates wurden die Funktionen weiter verbessert, so dass diese nun auch zuverlässig und vor allem richtig funktionieren. Schade allerdings, denn dies sollte eigentlich ab Verkaufsstart so sein.

Für den ursprünglichen UVP von 600 bis 700 Euro wäre die Uhr in meinen Augen überteuert, die derzeitigen Preise von 300 bis 350 Euro erscheinen mir sehr fair.

Alle Informationen zur Uhr gibt es auf der Suunto-Homepage!