Wildwasser SUP Ausrüstung

Eingangs hatte ich beschrieben, was mich am Wildwasser SUP so fasziniert. Um den selben Kick erleben zu können, stelle ich im folgenden die dafür notwendige Ausrüstung vor. Dabei gehe ich auch immer wieder auf Risiken ein, die mit dem Wildwasser SUP verbunden sind und wie die richtige Ausrüstung dabei helfen kann, diese Risiken zu minimieren.

Nenne ich im folgenden Text Marken, dann beziehe ich mich auf diese aufgrund persönlicher Erfahrungen. Hierbei handelt es sich in keinem Fall um bezahlte Werbung.

Wildwasser SUP Boards

Wer sich mit dem SUP ins Wildwasser wagen will, kann dies nicht mit jedem x-beliebigen Board tun. Für das Wildwasser SUP haben zahlreiche Hersteller spezielle Boards entwickelt, die den extremen Anforderungen gerecht werden. Die meisten Wildwasser SUP Boards sind Inflatables also aufblasbar, es gibt jedoch auch einige Hersteller, die SUP Boards in Bauweise der Wildwasser Kayaks anbieten. Für was ihr euch entscheidet, ist Geschmackssache. Unabhängig davon, sollte ein

Wildwasser SUP Ausrüstung
Quelle: Hala Gear

Wildwasser SUP Board über folgende Eigenschaften verfügen:

  • Eine große Breite (ca. 85 -95 cm) erhöht die Standsicherheit und Stabilität
  • eine hohe Aufbiegung der Nase (Rocker genannt) erleichtert das Überqueren von Weißwasser
  • zahlreiche Griffe und Schlaufen sollten vorhanden sein, um das schnelle Aufsteigen nach einem Sturz zu ermöglichen
  • Finnen sollten über äußerst wenig Tiefgang verfügen, um flache Stellen passieren zu können
  • Ein D-Ring für eine Leash muss vorhanden sein
  • Optional ist ein Gepäcknetz empfehlenswert, um leichtes Gepäck transportieren zu können

Doch welche Boards vereinen all diese Eigenschaften in sich? Die gute Nachricht: Zahlreiche Hersteller bieten Board speziell für den Einsatz im Wildwasser an. Um euch die Suche zu erleichtern, hier eine (nicht abschließende) Übersicht.

Aqua Marina

Aqua Marina hat 2017 mit dem Rapid ein Board speziell für den Einsatz im Wildwasser ins Programm aufgenommen. Mit 550€ stellt es ein tolles Einsteiger-Board dar, mit welchem ich selber das Wildwasser SUPen begonnen habe (siehe Testbericht).

Hala Gear SUPs

Der amerikanische Hersteller ist der Marktführer der Wildwasser SUPs. Gleich mehrere Modelle hat der Hersteller im Angebot. Hervorzuheben ist die sogenannte Stomp Box. Bei Grundkontakt klappt die Center-Finne automatisch ein und ermöglicht so das Queren selbst flachster Passagen. Abrupte und gefährliches Abbremsen gehört so der Vergangenheit an. Mit mehr als 1100€ pro Board jedoch im oberen Preissegment. Meine absolute Empfehlung für ambitionierte Fahrer!

Badfish SUPs

Badfish SUPs sind ebenfalls amerikanisch und vor allem durch den Wildwasser SUP Pionier Spencer Lacy bekannt. Badfish bietet mehrere Modelle als Inflatable und Hard Body sowie speziell zum Surfen in Flusswellen an. Badfisch SUPs rangieren ebenfalls im oberen Preissegment.

JP Australia, Starboard und Fanatic

Die großen Windsurf-Hersteller sind sehr früh auch in das SUPen eingestiegen und haben ihre Produktpalette damit ergänzt. So verwundert es auch nicht, dass alle drei großen Hersteller (Starboard, JP Australia und Fanatic) jeweils Wildwasser-Modelle anbieten. Hervorzuheben ist hier JP Australia. Mit einer Heckfinne ist hier Grundkontakt ebenfalls kaum möglich. Alle Hersteller rangieren ebenfalls im oberen Preissegment.

Wildwasser SUP Paddel

Wildwasser SUP Ausrüstung
Quelle: Werner Paddles

Beim Wildwasser SUP braucht man – welch Wunder – ein Paddel. Grundsätzlich könnte man mit jedem Paddel ins Wildwasser stechen, doch auch hier gibt es Einiges zu beachten:

Da Grundkontakt kaum vermieden werden kann, sind Carbonpaddel keinesfalls zu empfehlen. Diese würden zu schnell splittern. Auf Dauer ein teuerer Spaß. Ebenfalls sollte ein besonderes Augenmerk auf den Verschlussmechanismus bei verstellbaren Paddeln gelegt werden. Da besondere Paddelschläge und Brace-Techniken einen hohen Kraftaufwand erfordern, muss das unbeabsichtigte Verstellen des Paddels vermieden werden. Die Länge sollte daher mindestens mit einem PIN gesichert werden können, reine Klemmverbindungen sind nicht zu empfehlen.

Werner Paddles, der führende Hersteller für Kayak-Paddel, hat spezielle Paddel für den Wildwasser SUP Einsatz entwickelt. Diese sind nahezu unkaputtbar und gibt es in einer fixen Länge sowie mit einem ausgeklügelten Verschlussmechanismus.

Leash

Wildwasser SUP Ausrüsrtung
Quelle: Paddle People

Ob man im Wildwasser eine Leash einsetzen soll oder nicht, wird in der Szene intensiv und kontrovers diskutiert. Doch in einer Sache sind sich beide Seiten einig. Verwendet beim Wildwasser SUP NIEMALS, wirklich NIEMALS eine Fußleash, wie man sie vom Surfen kennt. Verfängt sich die Leash um ein Hindernis (Baum oder Stein) und zieht euch unter Wasser, ist ein Lösen der Leash kaum mehr möglich. Für diesen Fall wurden spezielle Gurtsysteme entwickelt, die um den Bauch getragen werden. Über einen Quick Release lässt sich die Leash jederzeit schnell lösen. In hochwertigen Auftriebswesten ist dieses System ebenfalls integriert.

Ich habe mich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und mich letztendlich für den Einsatz eines dieser speziellen Wildwasser-Systeme entschieden. Bei extremen Verblockungen im Wasser verzichte ich jedoch auf eine Leash. Somit entscheide ich dies situationsabhängig und maximiere so meine Sicherheit.

Neopren / Drysuit

Quelle: SUPSKIN

Fließende Gewässer erreichen selbst im Sommer nie die Temperaturen von stehenden Gewässern. Der Körper muss also vor der Gefahr einer Auskühlung geschützt werden.

Wer vom Surfen Neoprenanzüge besitzt, kann diese auch im Wildwasser verwenden. Diese mache auch ich zum Großteil so noch. Jedoch sollte einem klar sein, dass Neoprenanzüge durch Steinkontakt schnell beschädigt werden können. Zudem sind Neoprenanzüge nicht immer auf die notwendige Bewegungsfreiheit beim SUP ausgelegt und bei heißen Außentemperaturen droht eine Überhitzung des Körpers.

Daher hat es sich auch beim Wildwasser SUP eingebürgert, spezielle Paddelanzüge zu tragen. Diese sind beim Kayakfahren schon Standard und werden von zahlreichen Herstellern angeboten. Diese Trockenanzüge sind speziell für den Einsatz im Wildwasser konzipiert und bieten ein Höchstmaß an Haltbarkeit und Wärmeisolation. NRS kann hier sicherlich als Marktführer genannt werden. SUPSKIN hat derartige Anzüge speziell für Stand Up Paddler entwickelt und bietet auch hier eine Wildwasservariante an.

Wildwasser Helm

Wildwasser SUP Ausrüstung
Quelle: Shred Ready

Im Wildwasser muss jederzeit, unabhängig von der Könnerstufe, mit einem Sturz gerechnet werden. Seinen Kopf zu schützen, hat somit oberste Priorität und der Helm ist daher wichtiger Bestandteil der Wildwasser SUP Ausrüstung. Unterschieden wird hier zwischen normalen Schalenhelmen und sogenannten Integral- oder Full-Face-Helmen.

Normale Schalenhelme schützen den Kopf, nicht aber das Gesicht. Hierfür verfügen Full-Face-Helme über ein Kinnband, welches das Gesicht vor Schaden schützen soll. Dafür leidet aber teilweise der Rundumblick. Unabhängig vom Helmtyp ist wichtig, dass der Helm für den Einsatz im Wasser geeignet ist. Normale Helme, beziehungsweise deren Polster, saugen sich mit Wasser voll und verschlechtern so den Sitz. Daher rate ich vom Einsatz vorhandener Rad-, Snowboard- oder Reithelme ab. Wichtig ist zudem, den Helm in regelmäßigen Abständen auszutauschen, da das Plastik nach einer gewissen Zeit spröde wird und somit an Schutzwirkung verliert.

Auftriebsweste

Wildwasser SUP Ausrüstung
Quelle: NRS

Eine Auftriebsweste ist ebenfalls elementarer Bestandteil der Wildwasser SUP Ausrüstung. Auch hier haben sich zwei Strömungen innerhalb der Szene entwickelt.

Zahlreiche Fahrer setzen auf die bewährten Auftriebswesten, die auch von Kayakfahrern im Wildwasser verwendet werden. Vorteil dieser Westen, ist der garantierte Auftrieb, der durch internationale Normen sichergestellt wird. Zudem verfügen diese Westen häufig über Befestigungen für Leashes, Messer und bieten dabei ein Höchstmaß an Beweglichkeit. Da diese Auftriebswesten möglichst klein gehalten werden, bieten sie jedoch nur ein Mindestmaß an Schutz gegenüber Aufprällen.

Wildwasser SUP Ausrüstung
Quelle: Soöruz

Aus diesem Grund fahren auch einige Fahrer mit sogenannten Impact- oder Prallschutzwesten. Diese Westen verteilen ihre Schaumeinlagen über den gesamten Oberkörper und bieten so einen höheren Schutz gegenüber den normalen Auftriebswesten. Jedoch erfüllen diese Westen nur selten auch gleichzeitig die normierten Anforderungen an eine Auftriebsweste.

Ich verfüge über beide Westenarten und setze sie entsprechend ein. In Flussläufen mit einem sehr hohen Wasserstand verwende ich die Auftriebsweste und bei Flussläufen mit einem sehr niedrigen Wasserstand unterhalb eines Meters verwende ich die Prallschutzweste. Somit versuche ich mich auch hier situationsbezogen meine Sicherheit zu erhöhen.

Protektoren

Ein Helm ist mittlerweile Bestandteil eurer Wildwasser SUP Ausrüstung? Perfekt! Dennoch solltet ihr euch auch über andere Protektoren Gedanken machen. Stürze in Stromschnellen enden nicht selten mit Steinkontakt. Daher sind weitere Protektoren grundsätzlich nicht verkehrt.

Wildwasser SUP Ausrüstung
Quelle: ION

Besonders wichtig, betrachte ich den Schutz von Knien und Schienbeinen. Wird das Board durch Grundkontakt abrupt abgebremst, fällt man nach vorne auf die Knie. Ich persönlich verwende die integrierten Knie- und Schnienbeinschoner von ION, die ursprünglich zum Dirtbiken entwickelt wurden. Die Bewegungsfreiheit ist und und der Schutz definitiv gegeben.

Neben Schutz für die Beine solltet ihr euch auch Gedanken machen, bezüglich einem Schutz für den Torso sowie die Ellenbogen. Ob und welche Modelle hierfür verwendet werden, ist Geschmackssache und sicherlich auch davon abhängig, ob ihr mit einer Auftriebs- oder Prallschutzweste unterwegs seid.

Unabhängig davon welche Protektoren ihr einsetzt, ist Folgendes zu beachten: Die Protektoren dürfen euren Auftrieb nicht negativ beeinflussen. Vermeidet also Modelle, die sich mit Wasser vollsaugen und so die Gefahr des Ertrinkens erhöht wird. Ebenfalls ist die Bewegungsfreiheit elementar. Das SUPen im Wildwasser erfordert ein Höchstmaß an Bewegungsfreiheit und darum testet eure Protektoren vor dem Kauf ausgiebig.

Schuhe

Als Windsurfer verzichte ich soweit wie möglich auf den Einsatz von Schuhen, um das Board besser spüren zu können. Beim Wildwasser SUP sind Schuhe jedoch obligatorisch.

Wildwasser SUP Ausrüstung
Quelle: Astral

In Flussbetten ist immer auch mit einer menschengemachten Verschmutzung in Form von Glasscherben und Schrott zu rechnen. Daher sind Schuhe mit einer festen Sohle Pflicht! Neoprensocken, wie sie häufig von Surfern verwendet werden, sind hier nicht ausreichend.

Für den Anfang, habe ich meine alten Sportschuhe verwendet. Dies ist grundsätzlich ausreichend. Da Sportschuhe aber nicht auf den Einsatz im Wasser ausgelegt sind, saugen sich diese schnell mit Wasser voll.

Angenehmer wird es dann mit speziellen Wildwasser-Schuhen. Astral ist hier mein bevorzugter Ausstatter. Diese Schuhe verfügen über Drainagen, so dass Wasser zügig abfließt und so ein gutes Fußklima erhalten bleibt. Zudem sind die Sohlen äußerst rutschfest, was den Kontakt zum Board erhöht und gleichzeitig das Laufen durch ein Flussbett leichter macht.

Sicherheitsleine

Quelle: Paddle People

Trotz aller Vorbereitungen, Planungen und einer guten Ausrüstung, lassen sich kritische Situationen beim Wildwasser SUP nicht gänzlich ausschließen. So kann ein Sturz oder ein Fahrfehler einen Fahrer in eine brenzlige Situation bringen. Daher sollte eine Sicherheitsleine, beziehungsweise ein Wurfsack, zur Grundausstattung jeder Wildwasser SUP Ausrüstung gehören. Gerät ein Fahrer in einen Notfall, kann man ihm – von einem sicheren Stand aus – die Leine zuwerfen und ihn so aus der Gefahrensituation retten.

Wichtig! Bei der Sicherheitsleine handelt es sich nicht um ein Equipment zur Selbstrettung. Zudem ist der Einsatz des Wurfsacks zu üben.

Erste Hilfe Set

Quelle: Tatonka

Wo gehobelt wird, fallen Spähne. So kann es auch beim Wildwasser SUP immer wieder zu größeren und kleineren Verletzungen wie Knochenbrüche, Platz- oder Schnittwunden kommen. Oftmals ist man im Wildwasser dann von einer schnellen Ersten Hilfe durch den Rettungsdienst abgeschnitten oder weit davon entfernt.

Daher ist ein geeignetes Erste Hilfe Set Pflicht! Mehrere Hersteller, unter anderem Tatonka, bieten sogar wasserdichte Erste Hilfe Sets an. Dieses sollte im Zweifelsfall noch mit weiteren Materialien ergänzt werden.

Auch hier besonders wichtig: Das alleinige Mitführen eines Erste Hilfe Sets rettet noch keine Leben. Erste Hilfe sollte regelmäßig, im Idealfall alle zwei Jahre, geübt und angewendet werden. Alle Hilfsorganisationen, aber auch der DAV, bieten hier entsprechende Kurse an.

Ihr merkt es schon, sich mit dem SUP ins Wildwasser zu wagen, ist eine Materialschlacht! Am Ende wird man aber mit unvergesslichen Eindrücken und Erlebnissen belohnt!